Freiberg, Domkirche Sankt Marien, Hoofdorgel

Bilder und Info: Frauke Mekelburg.
Webseite: http://www.frauke-mekelburg.de
Email:  mail@frauke-mekelburg.de

Geschichte der Orgel:
Gottfried Silbermann hatte Straßburg 1708 verlassen. 1710 baute erseine erste Orgel auf sächsischem Boden in Frauenstein.
Für 1709 ist kein Aufenthaltsort belegt. Aber aufgrund des fortan gepflegten Stils seiner Orgelbauten steht zu vermuten, daß er ein Jahr
lang Sachsen und sicher auch Norddeutschland bereist hat, um den dort praktizierten Orgelbau zu studieren.
Am 24. Juni 1710 jedenfalls bewarb sich der Orgel-bauer Gottfried Silbermann aus Frauenstein beim Rat
der Stadt Freiberg um den Bau der
neuen Orgel im Freiberger Dom und siegte gegen zahlreiche und auch renommierte Konkurrenten.

Ausschlaggebend für die Wahl des damals erst 27jährigen Silbermann war wohl seine hervorragende Einschätzung durch den Leipziger Thomaskantor


Johann Kuhnau, der durch einen Schüler, den spätem Dornorganisten Elias Lindner, eine Freund Silbermanns, vom Rat zur
Entscheidung hinzugezogen wurde. Lindner, ein durch das Studium von Mathmatik und Rechtswissenschaft universell gebildeter Musiker,
arbeitete mit Silbermann einen verbesserten Dispositionsyorschiag aus, in dem ein von Silbermann vorgesehenes
Rückpositiv durch ein Oberwerk ersetzt wurde. Die Disposition wurde gegenüber den französisch-elsässischen Gepflogenheiten
durch Aufbau auf einem verstärkten Bassfundament mittels eines groß und stark besetzen Pedals und Hinzufügen von Quhtaden, konischen Flöten und
ener 1′-Flöte erweitert -wie sie in der mitteldeutschen Orgeliandschaft gebräuchlich waren.
Die Prospektgestaltung nach dem Werksprinzip macht die klangliche Unterteilung des Freiberger Instruments
für den Betrachter erkennbar.
Diese Aufteilung erfolgte allerdings nicht so streng und
in unterschiedliche Gehäuseteile differenziert wie in Nprddeutschland, so dass
nun doch eine flächig wirkende Orgelansicht mit nur durch leichte Vorwöibung angedeuteden Pedaltürmen, aber eine klaren Einteilung in
Unterwerk, das die Mitte beherrschende Hauptwerk
und das bekrönende Oberwerk mit auffallend harmonischen Proportionen geschaffen wurde.

Auf den ersten Blick nicht erkennbar ist das Fehlen
eines allseits geschlossenen Orgelgehäuses. Die einzel-nen Werke der Orgel sind hinter
der prachtvollen Fassade in einer mehrere Etagen umfassenden Stellage angeordnet.

Das Werk wurde am 13. August 1714 von Kuhnau und dem Altenburger Hoforganisten Gottfried Ernst Bestel abgenommen und am
19. August 1714 geweiht. Es erklingt seitdem in den Gottesdiensten der Domgemeinde, wird regelmäßig in Konzerten und Orgel Vorführungen
gespielt und ist bei organologischen Tagungen Treffpunkt von Orgel Fachleuten der ganzen Welt.

Das Pfeifenmaterial, die Mecharik und der Spieischrank wurden in den fast 300 Jahren ihres Bestehens im Prinzip unverändert erhalten.
Die Pflege dieses Kulturdenkmals liegt seit 1930 in den Händen der Dresdener Orgelbauanstait Gebrüder Jehmlich.

Die Disposition:

Hauptwerk II (C,D – c'”)
Borduhn 16′
Principal 8′
Rohrflöte 8′
Viol di Gamba 8′
Octava 4′
Quinta 3′
Superoctav 2′
Tertia 1 3/5′
Mixtur 4f.
Cimbeln 3f.
Cornet c’ 5f.
Trompet 8′
Clarin 4′
Oberwerk III (C,D – c'”)
Quintadehn 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Quintadehn 8′
Octava 4′
Spitzflöte 4′
Superoctav 2′
Flaschflöt r
Mixtur 3f.
Cimbeln 2f
Echo c’ 5f.
Krumbhorn 8′
Vox humana 8′
Brustwerk I (C,D – c'”)
Gedackt 8′
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 3′
Octava 2′
Tertia 1 3/5′
Quinta 1 1/2′
Sufflöt 1′
Mixtur 3f.
Pedal (C,D – c’) 
Untersatz 32′
Principalbass 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Octavbass 4′
Pedalmixtur 6f.
Posaunenbass 16′
Trompetenbass 8′
Clarinbass 4′

   
Spielhilfen:
Manualschiebekoppein OW/HW, BW/HW (keine Pedalkoppel)
Tremulant auf alle Manualwerke wirkend Schwebung nur auf das OW wirkend
Sperrventile OW und HW/BW