Düffelward, St. Mauritius

   
   

   

Über die Geschichte der Rütter-Orgel in dieser Kirche schrieb Dieter Paesens im Zeitschrift "Van toen naar nu",
juni 2001:

   
"Die Rütter-Orgel in St. Mauritius Düffelward wurde 1856 durch den in Kevelaer ansässigen Orgelbauer Wilhelm Rütter erbaut, dessen Wirken sich über den ganzen Niederrhein und Teile der Niederlande erstreckte. Im Jahre 1993 wurde die Orgel vom Orgelbaumeister Friedrich Fleiter aus Münster in Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen des Bistums Münster, Ekkehard Stier, und dem Orgelsachverständigen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, Dr. Franz-Josef Voigt, restauriert. Bei diesem Instrument handelt es sich um eine einmanualige Schleifladenorgel, die über zehn Register verfügt. Zwei dieser Register sind dabei in Bass und Diskant geteilt. (Bordun 16 und Trompete 8) Das Pedal ist "angehängt" und verfügt dadurch über keine eigenen Register. Die Pedalklaviatur hat einen verkürzten Umfang (C-g0) sodass daher die Literaturauswahl von vornherein stark eingeschränkt ist. Ebenfalls sind die Tastenabstände der Pedale erheblich geringer, als dieses heute üblich ist."
   

   
"Das Spielen der Pedalklaviatur ist somit sehr gewöhnungsbedürftig. Der Spieltisch ist seitlich ausge- baut. Die Manualklaviatur verfügt im Hinblick auf die Spieltraktur über einen sehr harten und etwas geräusch- vollen Anschlag. Auf den Innenseiten der hölzernen Prospektattrappen (Pfeifen 1 und 27) lassen sich folgende Inschriften ablesen:
"W. Rütter, Orgelbauer in Kevelaer, hat diese Orgel gebaut im Jahre 1856" und "Orgelbauer W. Rütter hat diese Orgel im Jahre 1856 angefertigt mit seinem Gesellen Johann Winkes".
Somit konnten die ursprünglichen Vermutungen, dass die Pfeifenattrappen im Prospekt zu einem späteren Zeit- punkt eingebaut worden sind, endgültig ad acta gelegt werden. Einen stummen Prospekt zu bauen ist für diese Zeit und den Erbauer recht ungewöhnlich, sodass die Vermutung gehegt wurde, ein klingendes Register könne  ursprünglich an Stelle der bronzierten Holzattrappen,
dessen Zinnpfeifen im ersten Weltkrieg als "Kanonen- futter" zweckentfremdet wurden, gestanden haben. Der "Zahn der Zeit" hatte im Laufe der Jahre stark an der Rütter-Orgel genagt, sodass eine Restaurierung als substanzerhaltende Maßnahme dringend geboten schien. Durch starken Holzwurmbefall waren alle Holzteile stark in Mitleidenschaft gezogen. Vorhandene Holzpfeifen mussten restauriert aber auch vielfach nach vorgegebe-nem Muster kopiert werden. Die Pfeifenbrettchen wurden wegen zu starker Verwurmung alle neu angefer- tigt; die Windlade sowie die Klaviatur und die Pedal- klaviatur wurden komplett überarbeitet, die Register- knöpfe vorbildgetreu neu in Birnbaum gedrechselt und Dach und Rückwand des Orgelgehäuses wurden auf Grund der starken Wurmschäden ebenfalls kopiert. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch die gerade angesprochenen Restaurierung des Gehäuses:
 
   

   
Das neugotische, in massiver Eiche gearbeitete Orgel- gehäuse wies schon augenscheinlich erhebliche Mängel auf. Es fehlten die Bekrönungen für den Mittel- und die beiden Seitentürme. Des Weiteren zeigten sich an der Gehäusefront massive Schäden, insbesondere auch im Hinblick auf entfernte Schnitzereien. So schreibt der Orgelsachverständige des Bistums Münster, Ekkehard Stier, in seinem Orgelabnahmebericht vom 23.11.1993:
"Das schöne neugotische Gehäuse hat in der nachkon-
ziliaren Zeit seinen Zierrat weitgehend verloren, man fühlt sich in die Zeit der Wiedertäufer versetzt, die in Münster seinerzeit fleißig Bildersturm betrieben haben."
Durch vergleichende Studien - insbesondere mit dem Orgelgehäuse der Rütter-Orgel in Till - wurden die fehlenden Schnitzereien stilgerecht ergänzt. Am metallenem Pfeifenwerk wurden ebenfalls erhebliche Mängel festgestellt, die nicht zuletzt auch auf eine unsachgemäße Wartung der Orgel zurückzuführen waren: Hier mussten aufgerissene Stimmschlitze und gebrochene Pfeifenfüße gelötet werden. Kerne wurden gerichtet, Pfeifen gerundet und teilweise angelängt.
Die im Laufe der Zeit entfernte Originaltrompete wurde nach dem Vorbild der Trompete in der Rütter-Orgel in Wissel rekonstruiert."
   

   
"Durch eine zurückhaltende Intonation fügt sich dieses Register gut in den Gesamtklang der Orgel ein. Der aus den 30-er Jahren stammende Motor der Firma Meidinger wurde durch einen neuen, mit einem schall- schluckenden Kasten umgebenen, Motor (Langsam- läufer) ersetzt. Die noch vorhandene Tretvorrichtung zur mechanischen Winderzeugung wurde ebenfalls wieder instandgesetzt. Am Ende der Restaurierungsarbeiten stand die Nachintonation des Instrumentes, die den ursprünglichen romantischen Klangcharakter der Orgel berücksichtigt und der Größe des Kirchenraumes angepasst ist. Durch die Stimmung des Kammertones a mit (lediglich) 430 Herz klingt die Rütter-Orgel sehr grundtönig. In seinem Abnahmegutachten schreibt der Orgelsach- verständige des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, Dr. Franz-Josef Voigt, die Restaurierungsarbeiten abschließend folgendermaßen: "Die am historischen Instrument orientierte Restaurierung kann als muster- gültig und gelungen bewertet werden." Über die Restaurierung liegt eine Dokumentation der Firma Fleiter vor, die mit reichlichem Bildmaterial einen Vergleich "vorher" und "nachher" möglich macht. Insgesamt bleibt festzustellen, dass die Rütter-Orgel in St. Mauritius Düffelward das einzige Instrument dieser Zeit ist, das in unserer Region noch in seinem Originalzustand erhalten ist."
   

   
Die Disposition der Orgel:
Bordun 16 B/D
Principal 8 (C-H Holz)
Hohlpfeife 8
Viola di Gamba 8
Octav 4
Rohrflöte 4
Quint 3
Octav 2
Mixtur 3f
Trompete 8 B/D
Manualumfang: C-f3
Pedalumfang: C-g0
Teilung Bass/Diskant liegt zwischen g0 und gis0, wegen des Pedalumfangs.
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