Naumburg an der Saale, Evangelischen Stadtkirche Sankt Wenzel

Foto’s: © Stadt Naumburg

Überblick
Mit der Hildebrandt-Orgel von 1746 in der Kirche St. Wenzel beherbergt die Stadt Naumburg
ein klingendes Kulturgut ersten Ranges. Die nach aufwändiger Restaurierung im Jahr 2000
wieder eingeweihte Orgel gilt unter Fachleuten als die maßgebliche Orgel für die Interpretation
von Bach-Werken, da J. S. Bach die Disposition (d.h. Klanglichkeit) der Orgel zusammen mit
dem Orgelbauer Zacharias Hildebrandt entwickelt hat. Auch der Raumklang der Kirche St.
Wenzel, die zwei Gemälde von Lucas Cranach beherbergt, verspricht für den Musikfreund
einzigartige Hörerlebnisse, vor allem bei Auftritten von Vokalensemblen und Chören.
Zur Orgelgeschichte
Am 27. August 1743 schließt der Rat der Stadt Naumburg mit Zacharias Hildebradt, Leipzig, den Kontrakt über den Bau einer neuen Orgel mit 52 Stimmen in das vorhandene Gehäuse der Orgel
von Zacharias Thayßner (1696-1705 erbaut) ab. Vorher war von J.S. Bach ein Gutachten zur
Orgel eingeholt worden, “welches auch gütigst vor genehm” gehalten wurde. Man kann also mit
Gewissheit annehmen, dass Bach bei der Aufstellung der Disposition beratend und anregend zur
Seite gestanden hat, und dass dieses Werk seiner Vorstellung von einer schönen und großen
Orgel entsprochen hat. Am 27. September 1746 nehmen J.S. Bach und Gottfried Silbermann die
Prüfung der fertigen Orgel vor und bescheinigen Hildebrandt gute Arbeit. 1748 wird Joh. Chr.
Altnikol, Bachs Schwiegersohn, Organist an der Hildebrandt-Orgel
1834 erfolgt eine leichte Dispositionsänderung durch den Naumburger Orgelbauer Friedrich
Beyer im Zeitgeschmack. 1864 setzt Friedrich Ladegast, Weißenfels, die Orgel instand und ändert auch die Disposition. 1917 entfernt Oskar Ladegast die Windladen des Oberwerks und
setzt dafür Kegelladen ein. 1932/33 wird die Orgel von der Fa. Walcker, Ludwigsburg,
einschneidend umgebaut: Die bis dahin vorhandene Mechanik wird entfernt und durch
elektropneumatische Anspielung ersetzt, ein elektrischer Zweitspieltisch auf einer neuen 1.
Empore aufgestellt. Die Disposition wird unter Beratung von Christhard Mahrenholz nominell im
Zustand von 1746 wiederhergestellt.

1964 nimmt die Fa. Eule, Bautzen, eine klangliche Annährung an den Hildebrandt-Zustand vor.
1992 findet in Naumburg ein Internationales Symposium zu Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft der Hildebrandt-Orgel statt. Das eindeutige Votum zur kompromisslosen Restaurierung
der Orgel öffnet den Weg zu den 1993 bis 2000 ausgeführten Restaurierungs- und
Rekonstruktionsarbeiten, ausgeführt wiederum von Hermann-Eule-Orgelbau Bautzen. Die
Wiederherstellungsarbeiten umfassten:
Tonmechanik, Registertraktur, Windanlage, Pfeifenwerk, Stimmtonhöhe, Stimmungsart,
Gehäuse, Gerüstwerk, Schnitzwerk und Farbfassung.

“… und wer diese Orgel gesehen und gehöret

der ist niemahls ohne Bewunderung davon hinweggegangen.”

(Johann Christoph Altnikol 1753 über die Hildebrandt-Orgel)

Hildebrandt – Bach – Silbermann:

Drei Namen und eine Orgel

Zacharias Hildebrandt (1688 – 1757), der Meisterschüler Gottfried Silbermanns, hat die dreimanualige Orgel mit 53 Stimmen in der Stadtkirche St. Wenzel zu Naumburg 1743 bis 1746 gebaut. Sie stellt eines der sehr großen Meisterwerke barocker Orgelbaukunst dar und ist heute die größte und bedeutendste noch existierende Orgel, auf der Johann Sebastian Bach gespielt hat.

Bach und Hildebrandt pflegten in Leipzig mehr als zwei Jahrzehnte hindurch enge Beziehungen. Dabei nahm der Thomaskantor regen Anteil an der Entwicklung der Disposition der Orgel: “niemand konnte besser als er Dispositionen zu neuen Orgeln angeben und beurtheilen”

Nachdem Zacharias Hildebrandt 1734 das “schwindsüchtige” Orgelwerk der häufig erweiterten Vorgänger-Orgel von Joachim Zschugk (erbaut 1613-1616) untersucht hatte, reichte er dem Rat der Stadt eine ausführliche “Specification aller Gebrechen” ein. Durch Fürsprache J. S. Bachs kam es 1743 zum Vertragsabschluss zwischen dem Rat und Zacharias Hildebrandt über die Erneuerung des Orgelwerkes. Das alte Gehäuses (um 1700 von Johann Goericke) wurde beibehalten.

Hildebrandt fügte über die vertragliche Vereinbarung hinaus noch die Stimme Unda Maris zu. Unter Liebhabern barocker Orgeln gilt sie heute als die weltweit schönste ihrer Art.

Bau und Abnahme der Hildebrandt-Orgel sind auch kulturgeschichtlich interessant. Die Hildebrandt-Orgel ist ein einzigartiges Werk, wie es nur durch die enge Zusammenarbeit bedeutender Meister ihrer Zeit entstehen konnte. Die gemeinsame Abnahme der Orgel durch Bach und Silbermann am 27. September 1746 schließlich ermöglichte die freundschaftliche Wiederbegegnung Hildebrandts mit seinem einstigen Lehrer Silbermann.

Über die Jahrhunderte wurde das ursprüngliche Klangbild der Orgel durch modernisierende Umbauten zerstört.

Die Veränderung der Stimmung und eine elektrische Ton- und Registertraktur hatten den historischen und musikalischen Wert der Orgel stark geschmälert. Auch waren Orgel und Prospekt nach dem II. Weltkrieg in einem sehr schlechten Zustand.

Albert Schweitzer machte in einem sehr eindringlichen Schreiben bereits Anfang der 60er Jahre auf die nötige Restaurierung aufmerksam. Seitdem hat die Firma Hermann Eule aus Bautzen die Orgel spielbar gehalten.

Auf Empfehlung eines internationalen Sachverständigengremiums erteilte die Stadt Naumburg als Eigentümerin der Orgel 1992 den Auftrag zur umfassenden Restaurierung. Der Originalzustand von 1746 wurde in siebenjähriger Arbeit wieder hergestellt.

Dank der Hilfe von Spendern aus aller Welt und öffentlicher Förderung hat die Hildebrandt-Orgel seit 2000 wieder ihren warmen, barocken Klang. Sie wird wieder zu Recht als bedeutendste Bach-Orgelbezeichnet.

Die Disposition:

Hauptwerk (II, CD-c3)
Principal 16
Quintadehn 16
Octava 8
Spitz-Floete 8
Gedakt 8
Praestanta 4
Spitz-Floete 4
Sesquialter 2f
Quinta 3
Octava 2
Weit-Pfeife 2
Mixtur 8f
Cornet 4f
Bombart 16
Trompete 8
Oberwerk (III, CD-c3)
Bordun 16
Principal 8
Hohl-Floete 8
Princ.und.mar. 8
Praestanta 4
Gemshorn 4
Quinta 3
Octava 2
Wald-Floete 2
Tertia 1 3/5
Quinta 1½
Sif-Floete 1
Scharff 5f
Vox humana 8
Rückpositiv (I, CD-c3)
Principal 8
Viol di Gambe 8
Quintadehn 8
Rohr-Floete 8
Prestanta 4
Vagara 4
Rohr-Floete 4
Nassat 3
Octava 2
Rausch-Pfeife 2f
Mixtur 5f
Fagott 16
Pedal: (CD-d1)
Vorderpedal-Laden:
Principal 16
Octaven Bass 8
Violon Bass 8
Octaven Bass 4
Octava 2
Mixtur Bass 7f
Trompet. Bass 8
Clarin Bass 4
Hinterpedal-Laden
Subbass 16
Violon Bass 16
Posaune 32
Posaune 16
   
Koppel HW+OW
Koppel HW+RP
Pedalcoppel P+HW
Tremulant HW+RP
Schwebung OW
Sperrventil HW
Sperrventil OW
Cymbelstern
Tonhöhe Hz/15°C
Temperatur Neidhardt I
Winddruck Man. 74 mm, Ped. 78 mm
Info: © Stadt Naumburg

Die Stadt Naumburg dankt allen, die materiell und ideell zur Restaurierung der Hildebrandt-Orgel beigetragen haben.

Dank an die Förderer:

Bundesrepublik Deutschland
(Beauftragter des Bundesministeriums des Innern für Medien und Kultur)

Land Sachsen-Anhalt (Kultusministerium)

Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Evangelisches Kirchspiel Naumburg

Förderkreis Hildebrandt-Orgel e.V.

Orgelfreunde aus aller Welt

Spender aus Wirtschaft, Industrie, Handwerk und Handel

private Spenderinnen und Spender

Restaurierung:

Hermann Eule Orgelbau

Wilthener Straße 6

02625 Bautzen

Kontakte:

Stadt Naumburg

Kulturmanagement

Markt 1

06618 Naumburg

Tel. 03445-273-110

Fax 03445-273-104

e-mail: kulturmanager@naumburg-stadt.de

www.hildebrandt-orgel.de

Die Stadt Naumburg (Saale) ist Eigentümerin der Hildebrandt-Orgel in der Kirche St. Wenzel. Das Kulturmanagement der Stadtverwaltung ist Veranstalter von verschiedenen Orgelkonzerten. Die Reihen Internationaler Orgelsommer und Hildebrandt-Tage laufen in Regie der Stadt Naumburg.

Kantorei St. Wenzel

Irene Greulich

Neidschützer Straße 25

06618 Naumburg

Tel./Fax 03445-775940

Irene Greulich ist seit 1971 Organistin an St. Wenzel. Sie ist Initiatorin der Mittagsmusikreihe „Orgel punkt Zwölf“ und künstlerische Leiterin des „Internationalen Orgelsommers“ und der „Hildebrandt-Tage“. Sie war die treibende Kraft, die die Restaurierung der Hildebrandt-Orgel initiiert hat und gründete 1991 den Förderkreis Hildebrandt-Orgel.

Die Kantorei St. Wenzel ist Veranstalter der Reihe „Orgel punkt Zwölf“ und einiger anderer Konzerte in St. Wenzel und St. Marien-Magdalenen in Naumburg.

Förderkreis Hildebrandt-Orgel

Der Förderkreis Hildebrandt-Orgel hat die Restaurierung der Naumburger Hildebrandt-Orgel mit unterstützt und setzt sich heute für den Erhalt der Orgel ein und veranstaltet und unterstützt einzelne Konzerte. Eine Spende an den Förderkreis Hildebrandt-Orgel kommt der Konzerttätigkeit in St. Wenzel zugute.

Adresse: Förderkreis Hildebrandt-Orgel

Förderkreis Hildebrandt-Orgel e.V. Sparkasse Burgenlandkreis

c/o Neufang BLZ 80053000

Medlerstraße 20 Spendenkonto 332 00 20 225

06618 Naumburg

Kartenvorverkauf

Tourist- und Tagungsservice

Markt 12

06618 Naumburg

Tel. 03445-273112

Fax 03445-273105

e-mail: info@naumburg-tourismus.de

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