Dresden, Hofkirche

Bilder: Markus Schmidt-Ott
Bilder und Info: Frauke Mekelburg.
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Die Silbermann-Orgel der Dresdner Hofkirche
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Der Königl. Poln. und Kurfürstl. Sachs. Land- und Hoforgelbauer Gottfried Silbermann, so sein voller Titel, begann mit dem Aufbau der großen Orgel der neuen kath. Hof- und Probsteikirche im Jahr 1750, selbst schon hoch in den 60er Jahren. Die Vollendung im Jahr 1755 dieses auffälligsten Ausstattungsstückes des in seinen Dimensionen schon damals eher wie für eine große Bischofskirche als für die Bedürfnisse eines Hofstaates ausgelegten Bauwerkes erlebte er nicht mehr. Entworfen wurde der Prospekt für den noch nach dem strengen Formenkanon des italienischen Barock aufgebauten Sakralraums von den Bildhauern Francois Coudrai und Johann Joseph Hackel. Er wirkt streng und auf die Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Raumes hin aufwärts gerichtet. Lediglich vier Posaune blasende Engel lassen einen Anklang an die Rokoko-Epoche der Entstehungszeit erkennen. Das Gehäuse wurde beim Wiederaufbau der Kirche nach seinem Original photogrammetrisch
rekonstruiert. Sein Aufbau nach rein architektonischen Gesichtspunkten ist eine deutliche Abkehr vom Prospektaufbau nach dem Werksprinzip, was bei den späten Orgeln Silbermanns schon zu beobachten ist und bereits auf die Orgelbauten des 19. Jahrhunderts verweist. So tritt das Oberwerk dieser Orgel im Prospekt kaum noch in Erscheinung. Das Erscheinungbild wird dominiert vom mächtigen mittlere Pfeifenturm des offenen 16′-Prinzipals des Hauptwerks.

Offenbar standen zur Finanzierung diese Instruments reichlich finanzielle Mittel zur Verfügung. Die breit angelegte Disposition sorgt bei entsprechenden Mensuren für Klangfülle in dem mächtigen Raum von etwa 4.800 m . Vor allem die reichhaltige Besetzung des Oberwerks zeichnet dieses Instrument gegenüber früheren dreimanualigen Instrumenten des Meisters aus. Das vollständig über den Krieg geret tete Pfeifenmaterial ist äußerst hochwertig. Einige Neuerungen im Aufbau der gemischten Stimmen deuten zudem auf fortschreitende Entwicklungen in der Gestaltung des Klangbildes hin. Nach dem Tode Gottried Silbermanns führten sein ehemaliger Schüler Zacharias Hildebrand aus Weißenfels und sein Straßburger Neffe Johann Daniel Silbermann das Werk zu Ende.

Die seit 1836 den Titel des Hoforgelbauers führende Dresdner Orgelbauwerkstatt Jehmlich pflegt das Werk akribisch und sorgte 1944 auch für dessen rechtzeitige Auslagerung. Sie baute das Werk 1967 in das nachgestaltete Gehäuse wieder ein. Nach einer neuerlichen einjährigen Restaurierung durch Jehmlich in Zusammenarbeit mit der in der auf die Rekonstruktion historischer Orgeln spezialisierten Dresdner Werkstatt
Wegchneider wurde die Orgel wieder auf den Erstzustand zurückgeführt, speziell durch Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Tonlage (Kammerton 415 Hz) durch eine teilweise Anlängung der Pfeifen. Das Instrument wurde am 3. November 2002 feierlich wieder eingeweiht.

Die Disposition:

Hauptwerk II (C,D-d”’)
Principal 16′
Bordun 16′
Principal 8′
Viol di Gamba 8′
Rohrflöte 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Octave 2′
Quinte 3′
Tertia 1 3/5′
Mixtur 4f.
Zimbeln 3f.
Fagott 16′
Trompete 8′
Tremulant
Bassventil
Oberwerk III (C,D-d”’)
Quintaden 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Unda maris 8′
Quintaden 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Octave 2′
Flaschflöt 1′
Nasat 3′
Tertia 1 3/5′
Echokornett 5f.
Mixtur 4f.
Vox humana 4′
Schwebung
Klingel (für Kalkanten)
Brustwerk l (C,D – d”’)
Gedackt 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Sifflöt 1′
Nasat 3′
Quinta 1 1/2′
Sesquialtera 1 3/5′
Mixtur 3f.
Chalumeaux 8′
Pedal (C,D-d’, original c’)
Untersatz 32′
Prinzipalbass 16′
Octavbass 8′
Octavbass 4′
Pedalmixtur 6f.
Posaunenbass 16′
Trompetenbass 8′
Clarinbass 4′
Manualschiebekoppeln: Brustwerk an Hauptwerk Oberwerk an Hauptwerk
Pedalkoppel: Bassventil an Hauptwerk