Halle an der Saale, Konzerthalle Sankt Ulrich (voormalige Sankt Ulrich-Kirche)

 

 

Bilder und Info: Frauke Mekelburg.
Webseite: http://www.frauke-mekelburg.de
Email:  mail@frauke-mekelburg.de

DIE KONZERTHALLE ULRICHSKIRCHE

Im Jahre 1972 hatte die Ulrichsgemeinde infolge innerkirchlicher Strukturveränderungen dem Rat der Stadt Halle die Ulrichskirche zur Nutzung für kulturelle Zwecke angeboten. In einem Nutzungsvertrag über 99 Jahre wurde der Umbau zur Konzerthalle vereinbart. Die Eröffnung als Städtische Kultureinrichtung erfolgte 1976.

Das sakrale Inventar der Ulrichskirche (Altar, Chorgestühl, Taufstein und Kanzel) ist seinerzeit nach Magdeburg in die nach dem Krieg wiederaufgebaute Walloner Kirche St.Augustini verbracht worden. Chorgestühl und Kanzel wurden dort aber nicht eingebaut, sondern blieben in Einzelteilen eingelagert. Im Jahre 2000 erfolgte deren Rückführung in die Konzerthalle Ulrichskirche. Die vollständige Kanzel soll nach Restaurierung wieder am alten Platz an der Südseite der Kirche aufgestellt werden.

Die Geschichte des Bauwerkes beginnt im Jahr 1339, als die Servitenmönche (Marienknechte) den Grundstein für ihre zwei-schiffige Klosterkirche legten und mit dieser Asymmetrie eine Rarität unter den Hallenkirchen der Spätgotik schufen. Erst 1510 war der Bau mit Fertigstellung der Wölbung vollendet. Das Servitenkloster wurde 1527 aufgelöst. In die nun leerstehende Kirche zog 1531 die Ulrichsgemeinde aus ihrer ehemaligen Kirche in der Ulrichstraße um. Der erste evangelische Gottesdienst wurde Weihnachten 1541 gehalten.

Mit der Ulrichskirche sind Namen bedeutender Persönlichkeiten aus der Halleschen Geistes- und Musikgeschichte verbunden. Der Komponist Samuel Scheidt ist 1587 hier getauft worden. August Hermann Francke, der Gründer der weltberühmt gewordenen Franckeschen Stiftungen, war von 1715 bis zu seinem Tode 1727 als Pfarrer an der Ulrichskirche tätig. Seit 1774 wirkte Daniel Gottlob Türk als Kantor an der Ulrichskirche. Von 1806 bis 1836 war St.Ulrich auch Universitätskirche. Hier hielt der Universitätsprediger Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher seine ergreifenden Predigten.

Der für das Hallesche Musikleben bedeutende Robert Franz trat 1844 das Amt des Organisten an und gab in der Ulrichskirche Konzerte mit der von ihm geleiteten Singakademie, die heute seinen Namen trägt.

Die 1675 erbaute Förner-Orgel der Ulrichskirche, deren Barockprospekt noch heute die Westempore der Konzerthalle ziert, war im Jahr 1976 nicht mehr ausreichend funktionstüchtig. Deshalb wurde 1980 vom Orgelbau W. Sauer, Frankfurt/Oder, auf der Ostseite des Hauptschiffes in die Apsis hinein eine neue Konzertorgel errichtet.

Die Sauer-Orgel, ausgestattet mit 56 Registern auf drei Manualen und Pedal, bietet ein breites Spektrum klanglicher Möglichkeiten zur Darstellung von Orgelmusik unterschiedlicher Epochen. Mit der monatlichen Orgelstunde, die von namhaften Interpreten des In- und Auslands gestaltet wird, bereichert die Konzerthalle Ulrichskirche die vielfältige Palette der Orgelmusik in Halle. Das Kinderprogramm »Die Märchen-Orgel«, bei dem in anschaulich aufbereiteter und kurzweiliger Form die Orgel vorgestellt wird, ist bei den jüngsten Konzertbesuchern besonders beliebt.

Der spätgotische Sakralbau ist eine hervorragende Aufführungsstätte für alle Formen der Vokalmusik, vom A-cappella-Gesang bis hin zur Chorsinfonik, und steht insbesondere den zahlreichen Chören der Stadt Halle für ihre Konzerte zur Verfügung. Die Konzerthalle Ulrichskirche ist darüber hinaus auch Gastgeber für Jazz, Gospel und Folklore.

Jährlich werden ca. 150 öffentliche Konzerte unterschiedlichster Art angeboten. Darüber hinaus wird das Haus für die Durchführung von Sonderveranstaltungen genutzt.

die Disposition der Orgel:

Hauptwerk: (C-c4)
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Koppelflöte 8′
Spitzgambe 8′
Oktave 4′
Kleingedackt 4′
Quinte 2 2/3′
Oktave 2′
Kornett 5fach
Larigot 1 1/3′ + 1′
Mixtur 5fach
Mixtur 4fach
Trompete 16′
Trompete 8′
Schwellwerk: (C-c4)
Bordun 16′
Holzprinzipal 8′
Gedackt 8′
Salicional 8′
Schwebung 8′
Oktave 4′
Nachthorn 4′
Nasat 2 2/3′
Ital. Prinzipal 2′
Terz 1 3/5′
Oktave 1′
Septquart 1 1/7 – 11/8′
Mixtur 5 – 7fach
Cor anglais 16′
Hautbois 8′
Clairon 4′
Tremolo
Rückpositiv: (C-c4)
Holzgedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Blockflöte 2′
Sifflöte 1 1/3′
Sesquialtera 2fach
Scharff 4fach
Zimbel 3fach
Holzdulcian 16′
Krummhorn 8′
Tremolo
Pedal:
Prinzipalbaß 16′
Subbaß 16′
Zartbaß 16′
Quintbaß 10 2/3′
Oktavbaß 8′
Baßflöte 8′
Choralbaß 8′
Hohlflöte 4′
Flachflöte 2′
Großsesquialtera 3fach
Hintersatz 5fach
Posaune 16′
Baßtrompete 8′
Feldtrompete 4′
Koppeln und Spielhilfen:
I/P, II/P, III/P, II/III, I/II, I/III
Crescendowalze, 8 freie Setzer